Aktuelle Situation und Rückblick
Schwammspinner im Landkreis Würzburg

Zwei Schwammspinner im Schmetterlingsstadium auf Borke eines Baums

Foto: Hannes Lemme, LWF

Ende der Schwammspinner-Massenvermehrung in 2021 erwartet

Nach drei Jahren der Massenvermehrung gibt die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) Entwarnung: Der Schwammspinner, ein kleiner Schmetterling, dessen Raupen die Blätter der Eichen, aber auch anderer Laubbäumen fressen, wird im kommenden Jahr wohl keinen flächigen Kahlfraß mehr verursachen – auch in den Laubwäldern des Landkreises Würzburg nicht.
Zu diesem Ergebnis kommen die bayerischen Waldforscher nach der Prognose (Ei-Gelege-Suche an Baumstämmen) durch die örtlichen Försterinnen und Förster des Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Würzburg und weiterer umfangreichen Voruntersuchungen.

Dr. Hannes Lemme von der LWF berichtet:
Die Zahl der gefundenen Schwammspinnergelege weist auf keiner Probefläche darauf hin, dass die Eichen im Frühjahr 2021 kahlgefressen werden.
Dr. Andreas Hahn, Leiter der Abteilung Waldschutz der Freisinger Waldexperten kommt daher zu dem Schluss:
Wir gehen von einem Ende der Massenvermehrung des Schwammspinners aus.

Das schließe aber nicht aus, dass kleinflächig, gerade an den Rändern der bisherigen Verbreitungsgebiete, der Schwammspinner im folgenden Jahr auffällig werden kann, oder auch einzelne Kleinbestände kahlgefressen werden.
Mussten letztes Jahr noch zahlreiche Eichenwälder vor dem Raupenfraß geschützt werden, so wird eine organisierte Bekämpfung aufgrund der nun vorliegenden Monitoring-Ergebnisse im Jahr 2021 nicht erforderlich.

Schädlinge in Eichenwäldern

Eichen besonders bedroht durch Schädlinge

Unsere heimischen Eichenwälder zeichnen sich durch eine große Artenvielfalt aus. In manchen Jahren gehören dazu einige Schädlinge, wie zum Beispiel Eichenwickler, verschiedene Frostspannerarten, der Eichenprozessionsspinner und der Schwammspinner. Wenn dann auch noch der Eichenmehltau und der Eichenprachtkäfer dazu kommen, wird es für die Eichen eng.

Eine neue Qualität des Schadens durch Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner

Schwammspinner

Schwammspinner

Seit den 1990er Jahren hat sich die Fraßgesellschaft in Folge des Klimawandels grundlegend verändert. Die wärmeliebenden Schmetterlingsarten Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner durchlaufen nun auch im Wald ausgedehnte Massenvermehrungen und sind zu einem gewichtigen Schadfaktor geworden.
Im Gegensatz zu den Frostspannerarten und dem Eichenwickler benötigen diese Arten für ihre Larvalentwicklung länger und fressen daher bis weit in den Juni hinein. Gerade beim Schwammspinner kann so auch der Johannistrieb gefressen werden.

Der Schwammspinner

Biologie des Schwammspinners

Schwammspinner-Eiräupchen

Schwammspinner-Eiräupchen

Beim Schwammspinner handelt es sich um einen Schmetterling, der in wärmegetönten Laubwäldern heimisch ist.
Die Eiablage findet zwischen Juli/ August statt und die Raupen entwickeln sich bis zum Herbst in den Gelegen an Baumrinden im Stamm,- und Kronenbereich.
Die Raupen überwintern in den Gelegen und schlüpfen Ende April im Folgejahr, je nach Laubaustrieb und Wärme.
Die jungen Raupen klettern in die Kronen der Bäume und beginnen frische, junge Blätter zu fressen (Mitte – Ende Juni).
Mehrere Häutungsstadien werden bis zum Ende der Entwicklung durchlaufen. Die Verpuppung findet bis Juli/ August statt und im Anschluss Schlüpfen die neuen Falter und der Falterflug beginnt.

Kontinuierliche Beobachtung der Schwammspinner-Entwicklung

Der Zusammenhang zwischen dem Fraßgeschehen und nachfolgenden Absterbeprozessen bei der Eiche ist nach der ersten großen Massenvermehrung des Schwammspinners 1992 –1994 beschrieben worden. Seitdem wird die Schwammspinnerentwicklung durch die Bayerische Forstverwaltung mit Unterstützung der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising kontinuierlich beobachtet und bei Schwammspinnermassenvermehrungen mit Gefahr für die Wälder auch Maßnahmen ergriffen.

Ansprechpartner vor Ort und weitere Informationen zum Thema Schwammspinner

Waldschutzsituation zum Schwammspinner im Landkreis Würzburg im Jahr 2019

Trockenjahr 2019

Die Entwicklung der Raupen wird auf der fränkischen Platte z. T. durch Trockenheit und Hitze begünstigt. Dies hat oftmals einen früheren Raupenschlupf und eine höhere Überlebensrate zur Folge. Auch das Entwicklungstempo steigt. Um Massenvermehrungen entgegenzuwirken, werden jeden Herbst Prognosen, anhand von Aufnahmen der Gelegedichten des Schwammspinners getroffen.
Weitere forstlich relevante Schädlinge, wie Eichenwickler und Frostspanner fallen bei dieser Auswertung nicht ins Gewicht. Sie treten zwar im Landkreis vermehrt auf, allerdings verhindern sie die Wiederbelaubung betroffener Bestände nicht, da sie sich vor dem Austrieb der Johannistriebe verpuppen.
Im Trockenjahr 2019 gab es zwei Flächen im Landkreis Würzburg, die besonders vom Schwammspinner betroffen waren. In Hettstadt kam es zu einem vollständigen Kahlfraß und in Theilheim zu einem partiellen Kahlfraß. Aufgrund der hohen Temperaturen ging dies besonders schnell.
In beiden Waldflächen fand eine Wiederbelaubung statt, da aufgrund der Trockenheit sich die Raupen schnell verpuppt haben. Auch der Eichenmehltau wurde durch die Trockenheit in Schach gehalten. Trotzdem müssen Gegenmaßnahmen getroffen werden, da Massenvermehrungen mit Kahlfraß nicht zwingend nach dem ersten oder zweiten Jahr zusammenbrechen.

Auswirkungen auf den Wald

Immer wiederkehrende Massenvermehrungen haben gravierende Auswirkungen auf unsere Wälder. Es ist mit einem Vitalitätsverlust bis hin zum Absterben von geschwächten Bäumen zu rechnen. Zudem verbrauchen die Bäume für den Wiederaustrieb Reservestoffe und zugleich ist ihre Wasser- und Nährstoffzufuhr eingeschränkt. Mehrjähriger Fraß kann aufgrund dessen eine vollständige Auflösung der Bestände bedeuten.

Behandlung der Waldflächen 2019

Nach Auswertung der Gelegedichten (Herbst 2018) wurden 2019 90 Hektar Waldlächen durch den Einsatz von Hubschraubern mit Pflanzenschutzmitteln behandelt.
Hierfür wurde das Mittel Mimic verwendet. Dieses Pflanzenschutzmittel wirkt als Häutungsbeschleuniger über die Nahrungsaufnahme der Raupen. Mimic wirkt selektiv auf Schmetterlingsraupen und ist damit nicht bienengefährlich.
Um die Behandlungsflächen 2020 einzugrenzen wurden bereits alle Waldbesitzer der betroffenen Gefährdungsflächen schriftlich informiert. Durch die Antwortschreiben ist die Waldfläche bei der LWF zur Behandlung/ Nicht-Behandlung angemeldet worden. Bis Mitte/ Ende April sind alle Maßnahmen, Prüfungen und Abstimmung für die Behandlung der Flächen mittels Pflanzenschutzmittel geprüft worden. Mit der Befliegung ist erst begonnen worden, als die Entwicklung der Raupen und die Witterung dies zugelassen hatte (Mai). Bei der Behandlung der Waldflächen sind alle Gewässer ausgespart worden. Zudem wurden Imker und Bio-Landwirte, die von einer Behandlung betroffen waren, informiert.

Waldschutzsituation zum Schwammspinner im Landkreis Würzburg im Jahr 2020

Raupe eines Schwammspinners auf EichenlaubZoombild vorhanden

Foto: Günter Wallerer, LWF

Im zweiten Jahr der Massenvermehrung des Schwammspinners - einer Schmetterlingsart, die bevorzugt an der Eiche lebt, haben sich die betroffenen Waldflächen im Landkreis Würzburg deutlich ausgeweitet. Während 2019 rund 40 Hektar Eichenwälder sowie weitere 50 Hektar Eichenwälder zur Forschungsbegleitung mit dem Pflanzenschutzmittel Mimic behandelt wurden, wurden dieses Jahr rund 400 Hektar Eichen- und Buchenmischwälder mit dem Helikopter beflogen.

Waldschutzsituation zum Schwammspinner im Landkreis Würzburg im Jahr 2020

Der Eichenprozessionsspinner

Verbereitung des Eichenprozessionsspinner

Eichen-Prozessionsspinner

Eichen-Prozessionsspinner

Auch der Eichenprozessionsspinner hat seit Mitte der 1990er Jahre sein Gradationsgebiet deutlich vergrößert und kann in hohen Dichten auftreten. Die Vergrößerung des Gradationsgebietes ist eine Entwicklung, die sich in den vergangenen 20 Jahren auch in anderen Bundesländern vollzogen hat und auf den Klimawandel zurückgeführt werden kann.
Eichenprozessionsspinner-Raupen
Bitte verwechseln Sie nicht die Raupen von Schwammspinner und Eichenprozessionsspinner!

Auswirkungen auf die Gesundheit - Vorsicht vor gesundheitlichen Schäden

Auch der Eichenprozessionsspinner kann bei Massenvermehrungen der Eiche sehr schaden. Das öffentliche Interesse liegt dabei aber stärker auf den gesundheitlichen Schäden, die ein Waldbesucher beim Kontakt mit den Raupen des Eichenprozessionsspinners davontragen kann. Die Raupen besitzen mehrere hunderttausend Brennhaare, die ein Nesselgift enthalten, das asthmatische Beschwerden, Hautentzündungen, Schwindel, Übelkeit, Fieber etc. auslösen kann, wenn man damit in Berührung kommt. Selbst nach Jahren können von den Brennhaaren in alten Gespinsten und Häutungsresten solche Symptome ausgelöst werden.