Unternehmertag 2020 - Fortbildung für Landwirte auf hohem Niveau
Pflanzenschutz in der Kritik – wie geht es weiter?

Die Landwirtschaft macht gerade turbulente Zeiten durch. Die neue bundesweite Düngeverordnung wird den Bauern in den besonders Grundwasser-sensiblen Gebieten zusätzliche harte Auflagen abfordern.

Das bayerische Versöhnungsgesetz als Ergebnis des Volksbegehrens "Rettet die Bienen" schreibt bei uns Extensivierungen bei besonders empfindlichen landwirtschaftlichen Flächen vor und verlangt zukünftig weitere Einschnitte in der allgemeinen Bewirtschaftung. Die Bundesministerien für Umwelt und Landwirtschaft planen gerade eine Ackerbaustrategie, die unter anderem drastische Einschränkungen des bisher üblichen Pflanzenschutzes vorsehen. Die Gesellschaft verlangt nach mehr Umwelt- und Tierschutz und die Landwirte kriegen neue Auflagen, die ihnen das Wirtschaften erschweren und verteuern. Finanzieller Ausgleich ist dafür meist nicht vorgesehen.
Verringerung des chemischen Pflanzenschutzes
Der jährliche Unternehmertag für Süd-Unterfranken im Januar 2020 in Bergtheim stellte besonders das Thema "deutliche Verringerung des chemischen Pflanzenschutzes" in den Fokus. Einen ganzen Tag lang informierten sich landwirtschaftliche Unternehmer bei Fachleuten aus Forschung, Verbänden, Fachministerien und Bio-Beratung über die geplanten Verschärfungen und diskutierten über Möglichkeiten und Risiken.
Herausforderungen für den Ackerbau im unterfränkischen Gau
Klaus Gehring vom Institut für Pflanzenschutz der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft stellte die besonderen Herausforderungen für den Ackerbau im unterfränkischen Gau dar. Zwar wiesen dort die Untersuchungen der Wasserwirtschaft keine Belastungen des Grundwassers mit Pflanzenschutzmitteln aus der Landwirtschaft aus, in einigen Oberflächengewässern seien jedoch diese Mittel bzw. deren Abbauprodukte unterhalb der zulässigen Grenzwerte nachweisbar. Bei Kombination von mechanischer und chemischer Beikrautkontrolle seien Einsparungen an chemischen Pflanzenschutzmitteln bei vielen Früchten möglich.
Steigerung der Biodiversität
Dr. Friedrich Dechet, der beim Industrieverband Agrar für den Bereich Pflanzenschutz, Technik und Umwelt zuständig ist, verwies auf den Artenschwund in Europa und stellte staatliche Überlegungen zur Erhöhung der Biodiversität vor. Ein allgemeines Verringern des Pflanzenschutzmittel-Einsatzes stellte er allerdings als nicht zielführend heraus, da der tatsächliche Einfluss dieser Mittel auf den Artenschwund vernachlässigbar sei. Wichtiger sei es, gezielt neue Lebensräume für bedrohte Arten in der Fläche zu schaffen. Dies sei auch wesentlich effektiver als beispielsweise das völlige Umschwenken auf ökologischen Landbau.
Einschränkung des chemischen Pflanzenschutzes
Konrad Koch vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten zeigte u.a. die unterschiedlichen Überlegungen des Bundes zur Einschränkung des chemischen Pflanzenschutzes auf. Er warnte vor pauschalen Verboten, verwies aber gleichzeitig auf das Staatsziel, den chemisch-synthetischen Pflanzenschutzeinsatz in Bayern zu halbieren. Er setze vor allem auf innovative Pflanzenschutztechnik und eine gute Beratung und Ausbildung. Die anschließende Diskussion zeigte, dass die Umsetzung im konkreten Einzelfall die Landwirte immer wieder vor große Probleme stellen dürfte.
Strategien der Beikrautkontrolle
Bernhard Sauer aus Mühlhausen bei Werneck stellte als erfahrener Öko-Bauer seine Strategien der Beikrautkontrolle vor, die in einigen Aspekten wie vermehrtes Hacken und erweiterte Fruchtfolgen auch Lösungsansätze für konventionell wirtschaftende Betriebe biete. Bernhard Schwab vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Karlstadt betonte als langjähriger Berater für Öko-Umstellungsbetriebe, dass es keine einfache Lösung ohne Nachteile gebe. Die erforderliche vermehrte Bodenbearbeitung durch Hacken und Striegeln könne Ackerbrüter schädigen und Erosion vermehren. Neben dem Aspekt der Unkrautkontrolle müssten auch Schädlinge und Krankheiten beachtet werden. Auch im Öko-Anbau müssten deshalb als letztes Mittel dafür zugelassene Spritzmittel eingesetzt werden.
Heikles Thema
Man war sich unter den Fachleuten einig, dass der chemische Pflanzenschutz ein heikles Thema sei, welches von der Bevölkerung sehr emotional betrachtet werde. Es sei deshalb schwierig, in der öffentlichen Meinung dafür Verständnis zu bekommen. Die gesellschaftliche Forderung nach einer Verbesserung der Biodiversität werde aber auch in der Landwirtschaft akzeptiert und mitgetragen. Der effektivste Weg dorthin müsse aber mit Fachwissen diskutiert werden.
Veranstalter
Veranstalter des Unternehmertags 2020 waren der Bayerischen Bauernverband (BBV), Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) und die Ämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (ÄELF) Karlstadt, Würzburg und Kitzingen.