Erfolgreiche Vernetzung von Wildlebensraum in der Ackerflur
Gemeinsames Wildlebensraum-Modellprojekt in Bütthard

Blühende Wiese

Blühstreifen in Bütthard
© Anne Wischemann

Das Wildlebensraum-Modellgebiet Bütthard ist ein Musterbeispiel, wie agrarpolitische Rahmenbedingungen genutzt werden können, um wildtierfreundliche Lebensräume zu schaffen. Entstanden sind diese auf den Flächen der lokalen Landwirte und der Gemeinde.

Die Maßnahmen sind dabei in die landwirtschaftlichen Betriebsabläufe integriert. "Gemeinsam für Artenvielfalt und Kulturlandschaft" ist das auferlegte Motto aller Beteiligten. Ziel ist es, zum einen Lebensräume zu erschaffen und anderseits einen Verbund dieser Biotope in der Fläche zu erreichen.
Die Rahmenbedingungen
Die bestehenden Fachgesetze beschränken Düngung und chemische Pflanzenschutzmaßnahmen neben Bächen und wasserführenden Gräben. Außerdem müssen konventionell wirtschaftende Ackerbauern Greening-Maßnahmen erfüllen, um die EU-Hektarbeihilfen zu erhalten. Gleichzeitig wurde das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) neu aufgelegt. In Kombination boten Greening und KULAP neue Möglichkeiten, um ohne weiteren Aufwand Lebensräume für Wildtiere zu schaffen und die Einschränkungen neben Gewässern abzumildern. Damit sollten die Forderungen der Jäger, Imker und Naturschutzverbände umgesetzt werden, ohne die Bewirtschaftung der Ackerflächen wesentlich einzuschränken.
Das Modellvorhaben
Das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Würzburg beschloss, diese Vorgaben gemeinsam mit den Bewirtschaftern in einer Gemeinde modellhaft so umzusetzen, dass die Biotopvernetzung den hohen Ansprüchen der Gesellschaft gerecht wird. Als Beispielgemeinde wurde Bütthard am Rande des südlichen Gaues ausgewählt, weil hier im Waldschatten am südöstlichen Rand der Gemarkung bereits ein Streifen aus mehreren KULAP-Blühflächen bestand. Als Partner waren die Kommune, der Bayerische Jagdverband sowie der Bayerische Bauernverband (BBV) und der Verband für landwirtschaftliche Fachbildung (vlf) dabei.
Die Umsetzung
Im Winter 2014/15 wurden alle Flächenbewirtschafter in der Gemarkung Bütthard über die damals neuen agrarpolitische Vorgaben, Förderprogramme und deren Potenzial bei der Neuanlage von Wildlebensräumen und Biotopstrukturen in Gruppen- und Einzelberatungen informiert. Gemeinsam plante man die Anlage und Pflege von Biotopstrukturen die Gewässer abpuffern, isolierte Landschaftselemente in der Flur verbinden und – besonders bei ortsnahen Flächen – das Landschaftsbild für die Dorfbevölkerung verschönern. Neben Erosions- und Gewässerschutz war auch die Schwarzwildbejagung ein wichtiges Thema. Deshalb war auch von Anfang an die Jägerschaft mit eingebunden.
Die unterfränkische Wildlebensraumberaterin, die am AELF Karlstadt sitzt, arbeitete von Beginn ihrer Tätigkeit im Frühjahr 2015 mit. Die Bewirtschafter in Bütthard planten gemeinsam mit der Fachberatung für ihre Felder miteinander verbundene Randstreifen und Blühflächen, die entweder als Greening-Maßnahmen (Feldrandstreifen mit Faktor 1,5) oder als Gewässerschutzstreifen bzw. Blühfläche (KULAP) beantragt wurden. Wo möglich (alles außer Blühflächen) wurden nach einem Konzept mehrere hochwertige Blühmischungen mit Mitteln des Projektes bezahlt. Anlage und Pflege der Streifen übernahm ein Landwirt des Ortes.
Das Ergebnis
Trotz der Trockenheit im Jahr 2015 sind die Blühstreifen sehr gut gelungen. Die Landwirte haben durch die Maßnahmen keinen höheren Aufwand an Zeit oder Geld und nebenbei auch die Sicherheit, alle Umweltauflagen bei Pflanzenschutz und Düngung zu erfüllen.
  • Insgesamt sind in der Gemarkung über 20 Hektar Wildlebensraum überwiegend in Form von 15 km artenreich begrünten und extensiv gepflegten Randstreifen neben Wald und Gewässern entstanden.
  • Es wurden über 140 Pflanzenarten durch Blühmischungen in die Fläche gebracht. Die angestrebte Biotopvernetzung wurde nahezu erreicht.
  • Von neu angelegten Bejagungsschneisen im Mais erhoffen sich Jäger und Bauern Erkenntnisse für die effektive Verminderung von Wildschäden.
In Zukunft soll die Pflege von Flächen der Landwirte und der Kommune in einem abgestuften Konzept noch stärker miteinander verbunden werden.
Die Öffentlichkeitswirkung
Der Bayerische Rundfunk berichtete im Rundfunk und Fernsehen ("Unser Land") über das Projekt. Im Juni 2016 war Landwirtschaftsminister Helmut Brunner zu Gast. Er war angetan von der freiwilligen Leistung der Landwirte und von den neu entstandenen Strukturen in der Kulturlandschaft. Im September 2016 lobte der Präsident des bayerischen Jagdverbandes Professor Dr. Vocke bei einer Flurfahrt die Erfolge für Jäger und Bauern.
Für die neu eingerichtete Wildlebensraumberatung ist es das wichtigste und größte Vorzeigeprojekt in Bayern.
Das Fazit
Mit Freiwilligkeit und Überzeugungsarbeit erreicht man für die Umwelt mehr als mit Verordnungen und Verboten. Das ist ein Fazit des Wildlebensraum-Modellprojekts in Bütthard. Landwirte können durch gezielte Begrünungen mit Blühmischungen an Lauf- und Radwegen ihr Image verbessern. Wildlebensraumberater und Landwirtschaftsverwaltung beraten sie agrarökologisch, förderrechtlich und praktisch und unterstützen bei der Umsetzung. Auch die Kommunen können zu Blühflächen beitragen, die die Bürger schätzen: Indem sie einen überschaubaren finanziellen Beitrag zum Saatgutkauf und der überbetrieblichen Ansaat und Pflege leisten. Wenn alle Beteiligten vor Ort - die Landwirte, Jäger, Gemeindevertreter und Verbände - zusammenarbeiten, dann gibt es nur Gewinner: die Kulturlandschaft, die Bevölkerung, Insekten, Vögel und Niederwild und nicht zuletzt auch die Bewirtschafter.

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