Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald
Die Zukunft sehen - der Wald als Inklusionsraum

Volker Tesar (li) führt als Erblindeter eine Gruppe Sehender auf dem Walderlebnispfad SINNESWANDELN

Ein Erblindeter, Volker Tesar, führt das erste Mal eine Gruppe Sehender durch den Wald. Was sich unglaublich anhört, ist Wirklichkeit am ersten bayerischen, barrierefreien Walderlebnispfad SINNESWANDELN am Walderlebniszentrum Gramschatzer Wald.

Den Sehsinn mit Augenbinden ausgeschaltet, tasten sich die Waldbesucher am Geländer der Station "Fühlen und Tasten" entlang. Sie sind hochkonzentriert und bemüht, sich möglichst sicher vorwärts zu bewegen, um nicht zu stolpern.
Am Ende des 50 Meter langen Tast-Pfädleins mitten durch den Wald wird Bilanz gezogen. Wenn es auch lange gedauert hat, keiner ist Dank des Geländers gestolpert oder gar gestürzt.
Auf die Frage Tesars, welche Vögel und welche Geräusche die Waldgänger gehört haben, herrscht buchstäbliches Schweigen im Walde. Denn keiner hat etwas anderes wahrgenommen, alle waren mit dem blinden Gehen des Weges vollkommen ausgelastet. „Ich gebe es zu, viel zu hören war nicht, vielleicht sind die Vögel schon auf dem Zug gen Süden, aber der Wind hat die Baumspitzen hier eben ordentlich durchgepustet!“ löst Tesar die Frage selber auf.
Vor 30 Jahren erblindet, setzt Volker Tesar sich für Inklusion ein und sieht am Walderlebnispfad SINNESWANDELN gute Möglichkeiten der Umsetzung. Der von ihm geführte Rundgang, bei dem die Teilnehmenden als vorübergehend Blinde folgten, ermöglichte ungewohnte eigene Erfahrungen im Wald. Es zeigte aber auch, dass blinde Menschen/Blinde mit einem Angebot, dass ihre Bedürfnisse berücksichtigt, sehr wohl die Anregung und die Erholung im Wald nutzen und genießen können. Dies im Idealfall gemeinsam mit Nichtbehinderten wie bei dieser ersten inklusiven Führung durch einen waldbegeisterten Blinden. Weitere werden sicher folgen, war sich die Gruppe nach dieser bereichernden Stunde einig.