Urwald von morgen vor den Toren Würzburgs
Naturwaldreservat Waldkugel

Naturwaldreservat Waldkugel

Foto: Klaus-Peter Janitz

Das stadtnahe Naturwaldreservat Waldkugel ist das einzige Buchen-Naturwaldreservat auf der Fränkischen Platte.

Mit der Ausweisung dieses Naturwaldreservates wurde der Grundstein für einen Urwald von morgen gelegt. Seit 1999 ist das Naturwaldreservat ausgewiesen und seitdem werden keine Holznutzungen mehr vorgenommen. Dem Waldbesucher gewährt es einen Einblick in die vielfältigen Lebensabläufe unseres Waldes. Das Naturwaldreservat Waldkugel mit einer Größe von 74,7 Hektar ist das einzige besitzübergreifende Naturwaldreservat in Bayern. Während der nördliche Teil Stadtwald der Stadt Würzburg ist, wird der südliche Teil als Staatswald von den Bayerischen Staatsforsten (BaySF) betreut.

Eine besondere Veranstaltung zum Waldnaturschutz am Naturwaldreservat Waldkugel:

Flachwellige und flachhügelige Reliefformen, die teilweise tief eingeschnitten sind, charakterisieren die Fränkische Platte.
Besonders hervorzuheben ist die Beteiligung des windverfrachteten Lockersediments Löss an der Bodenentwicklung. Geprägt wird das Gebiet vor allem vom Oberen Muschelkalk und den Feinlehmen und Mergeln des Lettenkeupers. Daher entwickelten sich überwiegend "Rendzina"-Böden aus einer flachgründigen, lehmigen und humosen Decke über dem plattenartigen Muschelkalk. Trotz der guten Nährstoffversorgung werden diese Böden wegen der extremen Sommertrockenheit oft als Wald oder landwirtschaftliche Grenzstandorte genutzt.
Aufgrund der ehemaligen Mittelwaldbewirtschaftung war im Reservat ein Eichen-Hainbuchenwald verbreitet.
Seit Aufgabe dieser Bewirtschaftungsform erobert die Buche das verlorengegangene Terrain auf den gut nährstoffversorgten Böden allmählich zurück. Dadurch findet ein Übergang zum artenreichen "Waldmeister-Buchenwald" statt. Eine Inventur des Waldes aus dem Jahr 2001 beschreibt einen Baum- und Strauchreichtum von 26 Arten. Vorherrschende Baumarten im Naturwaldreservat sind neben Buche (47 %) und Eiche (9 %) verschiedene Edellaubhölzer wie Berg- und Spitzahorn (10 %), Esche (9 %), Kirsche (1 %), Ulme, Wildapfel und Wildbirne.
Als besondere Laubhölzer sind die seltenen Elsbeeren und Speierlinge vertreten, die in Zusammenhang mit der Waldwirtschaft früherer Jahrhunderte stehen.
An den dicken Eichen- und Buchenstämmen finden fünf Spechtarten (Schwarz-, Bunt-, Mittel-, Klein- und Grünspecht) geeignete Bereiche, an denen sie ihre Höhlen anlegen können. Davon profitiert auch die Hohltaube, die als Nachmieterin ehemalige Schwarzspecht-Höhlen bezieht. Außerdem wurde die besonders seltene, heimische Raublungenschnecke nachgewiesen, die als typische Waldart darauf schließen lässt, dass die Flächen des Naturwaldreservats auch historisch schon lange bewaldet waren.
Schnecke auf MoosZoombild vorhanden

Foto: Klaus-Peter Janitz

Schnecken und Pilze
Bei den waldökologischen Untersuchungen wurde ein besonderes Augenmerk auf Schnecken gelegt. Es konnten 30 Arten mit Gehäuse, vier Halbnacktschnecken und neun Nacktschneckenarten, in Summe 43 Arten, nachgewiesen werden. Darunter sind 29 typische Waldarten, die überwiegend Versteckplätze benötigen, wie sie ihnen das Totholz in naturnahen Wäldern bietet.
Die dabei gefundene weitmündige Glasschnecke gilt als Zeiger für Waldtradition und lässt durch ihren Fundbereich darauf schließen, dass der nordöstliche Teil des Naturwaldreservates schon sehr lange bewaldet ist. Eine in der Lebensweise besondere Art ist die Raublungenschnecke im Naturwaldreservat. Außerdem wurden verschiedene besondere Pilzfunde registriert, die von ehrenamtlichen Pilzforschern stammen, unter anderem von Rudi Markones aus Kist.
Schmetterlinge
Schmetterlinge sind die am besten untersuchte zoologische Artengruppe in den Naturwaldreservaten in Bayern. Auch im Naturwaldreservat Waldkugel konnte 2014 eine umfangreiche Grundlagenkartierung abgeschlossen werden. Dabei konnten für das Naturwaldreservat Waldkugel 234 Großschmetterlingsarten nachgewiesen werden. Erfahrungsgemäß gibt es mindestens in gleicher Anzahl Kleinschmetterlingsarten, die noch nicht detailliert bestimmt wurden. Im Naturwaldreservat dürften damit rund 500 Schmetterlingsarten leben, etwa 25 Prozent der in den bayerischen Naturwaldreservaten gefundenen Arten.

Schmetterlinge im Naturwaldreservat Waldkugel

Bis in die dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde der Wald als Mittelwald bewirtschaftet.
Der Kerngedanke war dabei die Kombination von Bau- und Brennholznutzung. Die Mittelwälder bestanden aus einer Oberschicht älterer Eichen und einer Unterschicht aus Stockausschlägen verschiedener Laubbäume. Das Bauholz lieferten die Eichen der Oberschicht. Gleichzeitig wurde der gesamte Wald in 20 bis 30 Parzellen aufgeteilt, wovon jedes Jahr in einer Parzelle die Unterschicht zur Gewinnung von Brennholz ausgehauen wurde. Lediglich einige vielversprechende junge Eichenstämmchen wurden belassen. Den abgeschlagenen Stöcken entwuchsen noch im gleichen Jahr neue Triebe, die bis zum nächsten Brennholzhieb in 20 bis 30 Jahren wachsen konnten.
Hier finden Sie alle wichtigen Informationen zum Naturwaldreservat Waldkugel

Naturwaldreservat - Was ist das?

Naturwaldreservate sind Wälder, die sich in einem weitgehend naturnahen Zustand befinden. Die natürliche Waldentwicklung läuft hier ungestört ab. Im Lauf der Zeit entstehen
"Ur"-Wälder mit starken Bäumen und viel Totholz.
Unter den 159 Naturwaldreservaten mit fast 7.100 Hektar Gesamtfläche sticht das Naturwaldreservat Waldkugel auf den ersten Blick durch einen besonderen Baum- und Strauchartenreichtum hervor. Mildes Klima und gute Böden lassen hier ein weites Spektrum von 26 Baumarten gedeihen.
Durch die Stadtnähe zu Würzburg ist das Naturwaldreservat für die Bürgerinnen und Bürger ein Anziehungsmagnet, das durch einen thematischen Rundweg erschlossen ist. Hier heißt es wandern, einfach die Natur genießen und vielerlei Interessantes entdecken.
Naturwaldreservate dienen der Forschung und der Bildung
Hier sammelt die Wissenschaft Daten über den natürlichen Wald und seine Entwicklung sowie über die artenreiche Tier- und Pflanzenwelt. Die Daten liefern wertvolle Erkenntnisse für Forstleute und Waldbesitzer, wie sie ihre Wälder naturnah bewirtschaften können. Gerade in Zeiten des Klimawandels sind diese Hinweise wichtig, damit auch in Zukunft gesunde und stabile Wälder in Bayern wachsen werden.
Die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) in Freising hat bisher waldkundliche und waldökologische Untersuchungen durchgeführt.
Die waldkundlichen Erhebungen haben gemeinsam mit Erhebungen in anderen Naturwaldreservaten bestätigt, dass in Bayern von Natur her die Buche dominiert.

Forschung in Naturwaldreservaten - Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft Externer Link