Schwammspinner in den Wäldern im Landkreis Würzburg

Aktuelle Situation

Schwammspinner
Im zweiten Jahr der Massenvermehrung des Schwammspinners - einer Schmetterlingsart, die bevorzugt an der Eiche lebt, haben sich die betroffenen Waldflächen im Landkreis Würzburg deutlich ausgeweitet. Während 2019 rund 40 Hektar Eichenwälder sowie weitere 50 Hektar Eichenwälder zur Forschungsbegleitung mit dem Pflanzenschutzmittel Mimic behandelt wurden, werden dieses Jahr rund 400 Hektar Eichen- und Buchenmischwälder mit dem Helikopter beflogen.

Ziel der Maßnahmen

Ziel dieser Pflanzenschutzmaßnahme ist es, bestandesbedrohenden Kahlfraß zu verhindern und so den Waldbestand mit seinen Funktionen und Eigenschaften als Lebensraum für Tiere und Pflanzen zu erhalten. Wirtschaftliche Erwägungen, wie Zuwachsverluste oder Belaubungsdefizite, erlauben keine Anwendungen nach dem Pflanzenschutzgesetz.

Anwendungszeitraum

Mittelwald
Der Anwendungszeitraum liegt zwischen dem 24. April 2020 und dem 30. Mai 2020. Die konkreten Termine für den Landkreis Würzburg sind entscheidend abhängig vom Laubaustrieb der Eichen und der Witterung und können erst kurz vorher festgelegt werden.

Behandlungsnotwendigkeit

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Die Überwachung und Prognose der Eichenfraßgesellschaft sowie die Beurteilung des Behandlungsbedarfs erfolgt durch die Forstverwaltung in Zusammenarbeit mit der Abteilung Waldschutz der Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
Im Herbst 2019 wurde durch die örtlichen Förster und Försterinnen die Besatzdichte mit Schwammspinnergelegen und weitere Vitalitätsfaktoren in betroffenen Eichenmisch-, und neuerdings auch in Buchenmischbeständen im Landkreis erhoben.
Auf 1200 Hektar der insgesamt 22 400 Hektar großen Waldfläche der Stadt und des Landkreises Würzburg wurde bestandsbedrohender Kahlfraß und damit eine konkrete Gefährdung der Waldbestände festgestellt.
Tatsächlich behandelt werden rund 400 Hektar.
Mehr Info für Waldbesitzer und Naturschützer
Diese Gefährdungsflächen waren Grundlage für die Information von betroffenen Waldbesitzern, denen die Möglichkeit eingeräumt wurde sich für die Pflanzenschutzmittel-Behandlung ihres Waldstücks anzumelden. Ohne Anmeldung erfolgt keine Behandlung. Wenn wichtige naturschutzrechtliche oder wasserschutzrechtliche Belange entgegenstehen, besteht kein Rechtsanspruch auf die Behandlung.

Die Gefährdungsflächen wurden parallel der Prüfung und Abwägung mit den Naturschutzbehörden und den Wasserwirtschaftsbehörden unterzogen. Die dabei in Abzug gebrachten naturschutzfachlichen und wasserrechtlichen Herausnahmeflächen und die pflanzenschutzrechtlichen Puffer (Abstände zu insbesondere Waldränder, Abstandsflächen von Gewässern und Siedlungen) reduzieren die jetzt festgelegte Behandlungsfläche auf rund ein Drittel der im Herbst erhobenen Gefährdungsfläche.

Behandlungsmittel

Schwammspinner Behandlungsmittel
Zum Einsatz bei der Befliegung kommt das Pflanzenschutzmittel Mimic, ein Häutungsbeschleuniger, der sich nur auf Schmetterlingsraupen auswirkt. Es wirkt nur bei Aufnahme durch Fraß und ist nicht bienengefährlich (B4).
Mehr Info zum Behandlungsmittel
Wirksam ist Mimic vor allem gegen sehr junge Raupenstadien. Je älter die Raupen werden, desto unempfindlicher sind sie gegen das Präparat. Mimic bewirkt einen Fraßstopp an den Blättern, eine Beschleunigung der Häutungen und nach 5 bis 7 Tagen das Absterben der Raupen.
Mimic nicht bienengefährlich (B4) und wirkt nicht auf Raubmilben, Marienkäfer, Laufkäfer, Spinnen, Schlupfwespen und Raubwanzen. Diese Nützlinge können sich mit der Massenvermehrung mitvermehren und tragen mit zeitlichem Verzug zum Abklingen der Vermehrung bei.
Mimic verliert durch Witterungseinflüsse und Abbau relativ rasch an Wirkung (mittlere Halbwertszeit ca. 13 Tage) und der Wirkungsgrad liegt unter optimalen Bedingungen bei 80 bis 90 %.
Mimic, das seit 1992 in Bayern im Obst- und Weinbau zur Anwendung kommt, wirkt nicht auf Warmblüter und steht nicht im Verdacht krebserregend, gen- oder reproduktionsverändernd zu sein.
Im Wald werden sehr geringe Mengen an Spritzbrühe ausgebracht: 0,75 Liter MIMIC im Gemisch mit 50 Liter Wasser pro Hektar Waldfläche. Dadurch und durch das Ausbringungsverfahren per Hubschrauber mit speziellen Düsen verbleibt die Spritzbrühe weitgehend in den Baumkronen.

Bitte beachten: Sicherheitsmaßnahmen

Sicherheitsmaßnahmen vor der Behandlung
Während der Befliegung und bis zum Abtrocknen des Spritzbelages gilt ein Betretungsverbot.
Die Hauptzufahrtswege sind mit Hinweisschildern gekennzeichnet – bitte beachten Sie diese!
Sicherheitsmaßnahmen nach der Behandlung
Nach der Behandlung dürfen für einen Zeitraum von drei Wochen keine Waldpilze, wild wachsenden Früchte und Wildkräuter aus den betreffenden Gebieten gesammelt und verzehrt werden. Bitten beachten Sie die entsprechenden Hinweise an den Waldeingängen!

Weitere Hinweise

Für Imker
Das zum Einsatz kommende Mittel Mimic ist ein Häutungsbeschleuniger, der sich selektiv auf Schmetterlingsraupen auswirkt. Es ist nicht bienengefährlich (B4).
Dennoch wird empfohlen Bienenstöcke, die sich im Bereich der Befliegungskulisse befinden, abzutransportieren oder die Fluglöcher früh morgens oder abends für die Dauer der Befliegungsaktion zu verschließen.
Ist vor Ort bekannt, dass die Völker nicht abtransportiert werden, wird darauf hingearbeitet, dass diese Flächen als erste frühmorgens bei Windstille (oder am späten Abend) behandelt werden, damit die Verschlussdauer der Kästen möglich kurz gehalten werden kann. Bitte nehmen Sie gegebenenfalls Kontakt zu Ihrer örtlichen Försterin, Ihren örtlichen Föster auf.
Für Bio-Landwirte
Landwirte, die ökologische Landwirtschaft betreiben, sollen durch die Waldschutzmaßnahmen keine Beeinträchtigung erleiden. Bei der Flugkartenerstellung wurden Flächen des Ökolandbaus zentral durch die Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) erfasst und berücksichtigt. Diese Flächen werden im Flugbetrieb besonders beachtet. Die Befliegung erfolgt mittels GPS-Steuerung. Durch gezieltes An- und Abschalten der Sprühdüsen wird nur die ausgewiesene Fläche besprüht, auszusparende Bereiche können genau berücksichtigt werden. Durch Kontrolle der Windgeschwindigkeit wird eine Abdrift in nicht zu behandelnde Bereiche verhindert.
Für Pferdehalter
Pferde können sehr empfindlich auf Hubschrauber reagieren. Es besteht daher bei der Befliegung potentiell eine Gefahr für die Gesundheit von Reiter/ Pferdehalter und Pferd. Deshalb dürfen sich Tiere während des Flugbetriebes nicht in der Nähe der Behandlungsfläche oder der Start- und Landeplätze aufhalten. Bitte informieren Sie sich, ob Ihre Tiere in der Nähe der zu behandelnden Waldgebiete stehen. Bitte meiden Sie soweit möglich diese Waldgebiete im potentiellen Behandlungszeitraum.

Für Fragen kontaktieren Sie Ihre örtliche Försterin, Ihren örtlichen Föster. Externer Link

Für Tier- und Viehalter sowie Zuchtbetriebe
Wie bei Pferden besteht die Gefahr negativer Auswirkungen durch den Flugbetrieb des Helikopters auf alle Arten von Nutzvieh im Umfeld der Waldschutzmaßnahmen. Ihr örtlicher Förster*in kontaktiert Sie nach Möglichkeit, um eine gute Lösung zu finden, beispielweise der Verbleib der Tiere in der Stallung am Behandlungstag und insbesondere den Behandlungszeitraum genauer zu benennen.

Für Fragen kontaktieren Sie Ihre örtliche Försterin, Ihren örtlichen Föster.

Weitere Informationen